Jugend ohne pod

Donnerstag, Juli 8, 2010
Von phlo

The Dead Days aus Leicester/England findet man weder auf myspace noch auf youtube oder irgendwo sonst im Internet, denn: die fünfköpfige Band um Frontmann Garreth Perwick verweigert sich jeglicher Webpräsenz! Dennoch bezeichnete sie der Guardian jüngst als ,,verheißungsvollstes Phantom der aktuellen Britpop-Landschaft”. Wir trafen die Jungs vor ihrem Auftritt im  White Trash zum Interview….

zyva: Um mit der Standardfrage zu beginnen: wie kommt man auf die Idee, heutzutage als Band ambitioniert Musik machen zu wollen, ohne sich der Öffentlich- und Verfügbarkeitsmechanismen des Internets zu bedienen?

TDD: Nun, das Ganze war eigentlich weder geplant noch mit irgendeinem pseudo-subversivem Konzept verbunden, es hat sich einfach so ergeben. Nach unserem ersten Konzert, welches glücklicherweise sehr erfreulich verlaufen war und wir gemerkt haben, hey, da geht was, haben uns einige Leute angesprochen und gefragt: Wo kann man Euch finden? Wo gibt es Sachen von Euch im Netz?

Und das ist schon komisch: anstatt  sich mit dir und den Erlebnissen eines schönen Abends auseinander zu setzen, wollen die Leute sofort eine Art Wiederholung, eine Online-Konzertfortführung. Aber mal ehrlich: ist es das, warum man auf die Bühne geht? Warum man Live-Konzerte spielt und versucht, etwas Besonderes zu kreiieren und erlebbar zu machen? Dass die Leute nach Hause gehen und uns in visuelle Formate pressen, von denen Dritte dann denken: Ja, so ist das!

zyva: Aber ist den Leuten diese Unzulänglichkeit des bloßen Videos nicht bewußt?

TDD: Das kann schon sein, aber trotzdem: dieses Vermischen von Ebenen der Wesentlichkeit, das ist doch einfach Schwachsinn! Es mag vielleicht konservativ klingen, aber: wir wollen es uns und den Leuten wert sein, die ganze vorhandene Konzentrationsspanne auf unsere Musik und unsere Konzerte zu lenken. Nur dann hat sich das Ganze im besten Falle gelohnt. Aber wenn da links noch ein Browser geöffnet ist und man da rechts schauen kann, welches Lied man als nächstes anklickt, dann fühlt man sich doch eher wie ein Stück Fleisch im Kühlregal und nicht wie etwas außergewöhnliches, etwas persönliches, oder, ja ich weiß es klingt blöd, wie etwas erhabenes.

zyva: Ok, das klingt trotzdem schon eher nach Konzept. Um auf die pragmatische Schiene zu kommen: Wie schafft Ihr es, Auftritte zu bekommen, Platten zu verkaufen oder kurz: das Ganze zu finanzieren?

TDD: Ganz ehrlich?

zyva: Ja!

TDD: Ja gut, wir verdienen nicht wirklich an unserer Musik, wenn du das meinst! Aber wir kommen gut über die Runden. Erstens sind wir verdammt fleißig. Neben Gagen und  verkauften Alben spielen wir, egal wo wir sind, meistens auch einfach mal spontane Straßenkonzerte an einsamen Dienstagnachmittagen (lacht). Und ohne Scheiß: das sollte man nicht unterschätzen. Vorgestern zum Beispiel haben wir auf einer Brücke hier in Kreuzberg, die uns ein Freund empfohlen hatte, an einem Nachmittag genauso viel verdient wie wir für das Konzert heute Abend wahrscheinlich bekommen werden! Davon abgesehen leben die meisten von uns nach dem guten alten Hamster-Prinzip: einen Monat mit beschissenen Jobs Geld verdienen, einen Monat nur unterwegs sein und Konzerte spielen.

zyva: Führt dieser Lebenswandel nicht auf Dauer zu einer Art gespaltenen Persönlichkeit, dieses ständige hin und her?

TDD: Nein, glaube ich nicht. Im Gegenteil, wir führen ein von vielen Menschen sicherlich als Luxus empfundenes Leben der Abwechslungen. Wir sind nicht fest gefahren in nur einer, überalltäglichen und übermonotonen Welt. Und wir bleiben immer hungrig und kreativ, da wir nicht Gefahr laufen, nach 6 Monaten auf Tour und 5 Studienalben (lacht) keinen Bock mehr auf Musik und uns gegenseitig zu haben. Der regelmäßige Abstand von der Musik inspiriert uns alle immer wieder ungemein gerade für die Musik.

zyva: Wie würdet Ihr Eure Musik demjenigen beschreiben, der heute Abend weder Euer Konzert besuchen noch sich irgendwo Musik von Euch aus dem Netz ziehen kann?

TDD: Mmh, unsere Musik ist zunächst einmal ziemlich akustisch (lacht laut und lange)! Nein quatsch, also Arney (Gitarre) bezeichnet unseren Stil gerne als Innenstadt-Tümpel. Auffallend, nicht gerade sauber, auch nicht immer schön, aber trotzdem kommt die halbe Stadt, um sich an unserem Ufer zu sonnen! Das trifft es eigentlich ganz gut. Wir sind auch soundmäßig vollkommen Teil einer vermeintlich urbanen und verkorksten Popkultur, dennoch scheint es uns immer wieder zu gelingen, die Leute ein Stück weit aus dieser Innenstadtscheiße raus zu holen, die ja heutzutage schon in kleinstädtischen und ländlichen Kinderzimmern modisch, geistig und wie auch immer Einzug hält.

zyva: Zum Abschluss noch unsere Standardfrage: Wenn Ihr einen Song nennen müßtet, der Euch beschreibt, welcher Song wäre das?

TDD:

Garreth: Black- Wonderful Life (Arney verdreht die Augen); Arney: John Mayall- California; Hubert: Primal Scream- Rocks; Samuel: The Clash- Rock the casbah; Daniel: das Gleiche wie der da (deutet auf Samuel).




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Ein Kommentar zu “Jugend ohne pod”

  1. pisaker1

    super titel lieber phlo

    #939

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