German Fröhlichkeit- Eine kleine Werbungsschau

Dienstag, Februar 9, 2010
Von phlo

Es ist ja immer wieder erstaunlich, wieviel Müll sich in knapp 30 Sekunden Sendezeit bündeln lässt. Ganz kreativ und originell natürlich. Wenn mit dem Selbstverständnis von Kulturschaffenden Handys und Hornhauthobel an den Mann gebracht werden sollen, der Scheiße mal wieder das Goldspray zu Leibe rückt und der Hacklschorsch lagerfeldisiert wird, dann darf es angezapft werden, das gute alte Spaßfass der Lächerlichkeit.

Ein wahrhaftiges  Od (Was ist eigentlich die Mehrzahl von Kleinod? Ods? Ode? Odae?) an werbetechnischer Grottigkeit bilden seit einiger Zeit folgende Spots:

Alpecin- Doping für die Haare

Einfach herrlich: Der schwäbische ,,Wissenschaftler” und seine eloquente, vor Lebensfreude und German Fröhlichkeit sprühende Darstellung des Sachverhalts. Werbung aus der Zeitmaschine, als läge der Spot seit 1991 im Archiv und erst jetzt haben ihn die Macher erfolgreich ins Abendprogramm geklagt!

Hanuta WM 2010 TV-Spot (auf TV-Spot klicken!)

Angesichts des WM-bedingt zu erwartenden Fußballoverkills in diesjährigen Werbespots, liefert Ferrero in vorweihnachtlicher Überpünktlichkeit einen Vorgeschmack auf das, was den geneigten Medienkonsumenten bis Juni alles erwarten dürfte: ein mit Deutschlandfans vollgestopfter Hauptbahnhof (klar: WM in Südafrika, da werden die deutschen Bahnhöfe aber voll sein!), eine total ,,realistische” Fanmasse, bestehend aus BWL- und Physikstudenten online casino sowie jungen Blondinen, die aussehen, als würden sie sich Zitate aus Momo und Der kleine Prinz an ihre Zimmertür heften, und letztlich das kollektive Singen einer selten dämlichen Melodie,  die höchstens einem von Günter Oettinger synchronisierten Softporno entstammen könnte, nicht aber dem Hirn eines Menschen, der in seinem Leben mehr als zwei Lieder gehört hat. Top!

Seat- Brichst du auf gen Ithaka

,,Häh, hat der grade: Brichst du auf den Ithaker gesagt?” Dümmliches Lachen erfüllt den Raum. Aber nein, die Chefdramaturgen dieser Seat-Werbung hatten mit Sicherheit kein schlechtes Wortspiel oder gar unabsichtliche Verhörer im Sinn, als sie dieses Goethe-Gedicht für würdig befanden, einer Automobilfirma als Kundenkescher zu gereichen. Und dass Autowerbungen seit Jahren in pseudopoetisches und -philosophisches Gewand gekleidet werden, ist ja auch nichts Neues.  Denn, und das kann jeder Marketing-Trottel von BMW bis Daihatsu bestätigen, auch ,,Auto fahren ist eine Philosophie!”. Ja, Pseudophilosophie. Und vielleicht täten die Herren Werbekonzepter gut daran, künfig in Werbespots, die zu 90% während der Sportschau oder DSF-Dumpfbackensendungenn ausgestrahlt werden, auf Wörter mit phonetischer Ähnlichkeit zu ,,Ithaker”, ,,Kanacke”, ,,Neger” oder ,,Hurensohn” zu verzichten!


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2 Kommentare zu “German Fröhlichkeit- Eine kleine Werbungsschau”

  1. Der Nutella-Spot ist wirklich unerträglich! Ohoh!

    #519
  2. Ich freu mich schon auf die ersten Werbungen mit den beliebten Gassenhauern “Neger, bums mich”, “Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist” und “Ich bin Frauenarzt, weil ich Fotzenfan bin”. Eigentlich würden diese Titel in umgekehrter Reihenfolge auch gut zu den hier vorgestellten Werbeperlen passen.

    #523

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