Flowerstreet Records // Neues Label

Freitag, September 25, 2009
Von vroni

Logo_FSRaJuhu – ein neues Label! Ein kleines Label, ein gutes Label, ein vielversprechendes Label – nur leider, leider kein Berliner Label.Die Flowerstreet Records aus München haben das erste Jahr glücklich und unbeschadet überstanden. Fast könnte man sagen, sie werden täglich glücklicher und unbeschadeter: Zeit für eine kleine Würdigung.

Woher kommt so ein Label? Fällt das vom Himmel?

Nein, das tut es natürlich nicht. Wie so viele andere schöne Dinge (Sonnenschirme, Winterstiefel, Frühlingsgefühle) ist auch dieses mehr oder minder aus der Not geboren. Gregor Böhm – besser bekannt als „Amadeus“ (dem ein oder anderen ist er vielleicht noch als Sänger und Gitarrist der verflossenen Five!Fast!!Hits!!! geläufig) – suchte nach einer Möglichkeit, seine Solo-Projekte selbst zu veröffentlichen und warf sich mit seiner Kollegin Hanna Kolb in das bürokratische Abenteuer, das da heißt: Wir gründen unser eigenes Plattenlabel.

Und dann war das Label schon mal da.

Was lag also näher, als dort auch noch Elektrik Kezy Mezy zu integrieren, jene Band, die sich aus – erraten – Amadeus „Mezy“ und dem Drummer Frank „Kezy“ zusammensetzt? Nichts lag näher. Auch Frank war früher bei den Five!Fast!!Hits!!!, und was die beiden jetzt machen, ist definitiv eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Vorgängerband: Elektrik Kezy Mezy sind einfallsreich, schnell, hyperaktiv, laut, dreckig, mit einer gewissen Neigung zu quietschenden Gitarren und guten Rock’n’Roll-Beats – und klingen im Ganzen so, als hätte man Klaus Kinski über Nacht in einem Studio eingesperrt (und sehen teilweise auch so aus!). Das kürzlich erschienene Album „Elektricity“ ist gut – richtig gut! – aber, und das liegt in der Natur der Sache, Elektrik Kezy Mezy machen live einfach doppelt so viel Spaß.. abwarten heißt also die Devise: Die zwei sind mit Sicherheit bald mal in Berlin zu begucken.

So weit so gut? Noch weiter, noch mehr, noch besser!

Bei einer Konzerttour durch Münchens Wohnzimmer landete Amadeus schließlich vor gut einem halben Jahr zwischen Stehlampe und Couchtisch von Zlatko Pasalic, seines Zeichens Sänger und Leadgitarrist der Band Lucky Fish. Kurz darauf hörte sich der frischgebackene Labelgründer eine Bandprobe an und war nach eigener Aussage „total umgehauen“ – für ihn stimmte an Lucky Fish so ziemlich alles, und so kam die erste „externe“ Band zu den Flowerstreet Records. Amadeus’ enthusiastische Meinung zu teilen fällt einem als unbeteiligtem Beobachter allerdings eher schwer – genausowenig, wie nachzuvollziehen, wieso ausgerechnet Lucky Fish wogende Fanmassen zu ihren Konzerten mobilisieren können: Was die vier Jungs fabrizieren ist in erster Linie undifferenzierter Klangbrei ohne erkennbare Ideen, und die Bühnenshow ist mit „geschwätzig“ noch ganz nett beschrieben. Einzelne Lichtblicke wie der Song „Future Queen“ lassen indes erkennen, dass da womöglich doch noch Potential steckt, dass sich erst noch entfalten muss..

Trotzdem sind Lucky Fish in anderer Hinsicht ein großer Glückstreffer für die Flowerstreet Records im Besonderen und die zeitgenössische Musik im Allgemeinen:

Sie fungieren nämlich allem Anschein nach als erstklassige Socializer und brachten somit die wahrscheinlich ungewöhnlichste Band des Labels unter Vertrag: Tuó – eine weitere Zweimann-, oder eher: Zweifrauband, allerdings von ganz anderem Schlag als Elektrik KezY Mezy: Tasmin Gutwald und Oda Tiemann sind erst 16, haben außer akustischen Gitarren, afrikanischen Trommeln, großartigen Stimmen und unbeschuhten Füßen nicht viel dabei auf der Bühne und machen herrlich melodischen Folkpop, der sich für warm-ums-Herz genauso gut eignet wie als Soundtrack zum Aufbruch in die wilde, weite Welt, der sich auf der Bühne eines Clubs ebenso gut macht wie an einer Straßenecke unter der Abendsonne oder auf der Ladefläche eines Pickups, über Landstraßen holpernd. Die EP erscheint demnächst – unbesehen kann jetzt schon eine dringende Kaufempfehlung herausgegeben werden!

Die fünfte und vorerst letzte Band des Labels ist gleichzeitig eine Art Urgestein und der offiziell anerkannte Verkaufsschlager der Flowerstreet Records:

Pardon Ms Arden bestehen, ähnlich wie Elektrik Kezy Mezy, unter anderem aus Restbeständen der Five!Fast!!Hits!!!, und haben es als erste geschafft, sich im Ohrwurmsortiment des Breitenpublikums einen gewissen Platz zu erobern: Mit ihrem fieserweise richtig richtig eingängigen Song „Let’s Get It On“, der zwar nicht gerade vor Kreativität strotzt (yeah yeah yeah, no no no, it’s our dream, we won’t lose, we’re gonna fight.. etc…), es aber aus guten Gründen bis in die Fernsehwerbung geschafft hat: Man kriegt ihn tatsächlich nie wieder aus seinem Kopf raus, sobald er einmal drin ist. Mit demselben Song sind sie schließlich und endlich auch „offizielle Band des MTV European Music Awards FanWalks“ geworden. Der MTV European Music Awards FanWalk ist ein skurrile Veranstaltung, bei der 100 „Fans“ (Fans wovon? Jedenfalls scheinen sie gerade zusammengecastet zu werden!!) innerhalb von 10 Tagen von Hamburg nach Berlin laufen, um rechtzeitig zur Preisverleihung da zu sein – und Pardon Ms Arden laufen mit und spielen jeden Abend ein Konzert (!) in einer der vielen Städte (!!) zwischen Hamburg und Berlin (!!!). Die Idee ist so bescheuert, dass sie schon wieder gut ist – das scheinen die Bandmitglieder auch so zu sehen, und online casino man kann davon ausgehen, dass sie dabei jede Menge Spaß haben werden, genauso wie die Konzertbesucher in Brandenburgs Metropolen. Denn Pardon Ms Arden’s sauber gemachter Indierock (den sie zwar selbst als Country-Punk bezeichnen, aber da muss man schon viel Phantasie haben, v.a. um Punk darin erkennen zu wollen) geht ordentlich in die Beine und macht live hervorragende Laune. Das lässt darüber hinwegsehen, dass Sternstunden des Songwritings hier vergebens zu suchen sind und die Songs bei genauerem Hinhören alle klingen, als seien sie von den Arctic-Fratelli-Klaxon-Kook-Chiefs.. it’s the zeitgeist, baby!

Wer also Lust hat, zu tanzen, der kann sich ja überlegen, ob er am 4. oder 5. November in Berlin entweder zur „FanWalk Show2 oder zur „MTV EMAs Warm-Up Show“ gehen will – ein netter Abend wird“s allemal!.

Was ist nun also das Besondere an den Flowerstreet Records?

Alle Bands sind sich erstaunlich einig, dass ihr Label mehr ist, als nur ein Vermarktungsbetrieb – immer wieder fällt das Wort „Familie“, alle scheinen sich lieb zu haben, tatsächlich untereinander befreundet zu sein, ohne Konkurrenzdenken bilden sie eine Art „Szene in der Szene“ – zusammengehalten durch das äußerst fürsorgliche Labelmanagement, das sich sehr bemüht, seine Künstler gut zu betreuen – und Vermarktung, Veröffentlichung, Management und Booking in einer Hand bündelt. Klingt wie der feuchte Traum jeder Band, die von einem unzuverlässigen Label abhängig ist. Fehlt nur noch ein eigenes Studio? Es gibt zwar ein kleines Projektstudio, aber eigentlich werden die Platten dann doch extern aufgenommen – allerdings oft mit dem Flowerstreet-Team als Co-Produzenten. Ganze Menge Arbeit also? Ja durchaus – daher auch die bislang sehr begrenzte Anzahl an Bands unter Vertrag. Aber Hanna und Amadeus lieben ganz eindeutig das, was sie tun – deshalb ist es vielleicht viel zu tun, zu viel kann es nie sein.

Und so sammeln sich im Umkreis des Labels noch mehr interessante Bands an, die, auch ohne offiziell dazuzugehören, die große glückliche Familie erst so richtig komplett machen:

Im schlechtesten Fall sind das die relativ faden Fog Joggers aus Köln, im allerallerbesten Fall The Coxx! Diese 4-Mädchen-Band – auch sie ein Verdienst des Networkings von Lucky Fish – wird aus guten Gründen vom Label unterstützt, denn sie sind vermutlich mit das Spannendste, was München an neuen, jungen Bands zu bieten hat (bloß nicht von der erstaunlich schlechten myspace-Seite irritieren lassen!). Mit Wahnsinnsstimmen, Laborbrillen, Hippiebus und unglaublich ansteckender Energie setzen sie dem Publikum die Füße in Brand, wirbeln über die Bühne, ignorieren völlig nebenbei sämtliche dogmatischen Genregrenzen, proben auch mal nackt und experimentieren allgemein andauernd – fragt man sie nach ihren Inspirationen rufen sie: „Der Duft von Sonnenblumen! Brüste! Liebe! Natur! Gefühle! Sex! Phantasien! Anatomie!“, und man kann sich nochmal besser vorstellen, wie sie im Urlaub in Nizza auf einmal spontan die Bühne in einem Club entern und anfangen, ihre Show zu spielen. Im November wollen sie ins Studio – man sollte sich das dringend vormerken und vor allem ein Auge darauf haben, ob die Mädels nicht demnächst irgendwann in Berlin vorbeischneien.

Schon alleine für die Förderung einer solchen Band gebürt den Flowerstreet Records ein Platz im Herzen jedes ernsthaften Musikliebhabers – aber auch davon abgesehen ist es schön zu beobachten, wie zwei Idealisten versuchen, der bürokratischen Kälte zu trotzen und sich wirklich um die Musiker, die sie gut finden kümmern und sie ernsthaft unterstützen! Ein Hoch also darauf – zyva.de wünscht weitere glückliche Jahre!

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5 Kommentare zu “Flowerstreet Records // Neues Label”

  1. Soraia

    Was für eine absurde Idee, das mit dem Fanwalk! Unglaublich! Toll!

    #310
  2. deadbeforesunshine

    Aha, wär hätte das gedacht, und das von Leuten die mal Five Fast Hits waren. sehr gut. vor allem zu Elektrik Kezy Mezy muss ich sagen: das ist neu, das hat Energie, das rockt. super!!!

    #311
  3. max

    haha, jetzt muss ich mir die coxx aber echt mal anhoeren… und visuelles material herschaffen! ausserdem: „Arctic-Fratelli-Klaxon-Kook-Chief“ haha! klasse…

    #312
  4. Lotte

    Undifferenzierter Wortbrei ohne ohne erkennbare Ideen, der mit „geschwätzig“ noch ganz nett beschrieben ist.

    #313
  5. einerderdawar

    Auf welchem Konzert wart IHR denn bitte? Die Coxx agierten unsicher und unprofessionell, was wohl ihrem jungen Alter und ihrer Unerfahrenheit zuschulden ist, und sahen dabei aus wie eine 00er Version der Bangles, die ihr mit eurer „Credibility“ sicher nicht gut findet. Lucky Fish, Elektrik Kezy Mezy und Pardon Ms. Arden haben gezeigt, was Deutschland und speziell München an tollen und aufregenden Bands zu bieten hätte, wenn es nicht Leute wie euch gäbe, die stets darauf bedacht sind, besonders „indie“ zu sein, anstatt sich einfach mal locker zu machen. Man kann euch für euch selbst nur selbst zitieren: Undifferenzierter Wortbrei ohne ohne erkennbare Ideen, der mit „geschwätzig“ noch ganz nett beschrieben ist.

    #314

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