MODERN EARL // Anhören und hingehen !

Dienstag, Juli 21, 2009
Von vroni

012Schon mal darüber nachgedacht, auf den Biker Day des Deutsch-Amerikanischen Volksfests in Dahlem zu gehen? Vermutlich eher nicht. Vermutlich dürfte auch bei geschätzten 99% der Leserschaft, sollte es zu einem solchen Nachdenken kommen, das Resultat des Gedankengangs zwischen „Nö, eher nicht so“, „Vielleicht in einem anderen Leben“ und „Warum gleich wieder?“ oszillieren. Warum also gleich wieder? Weil es sich lohnen könnte – und zwar, wider erwarten, musikalisch gesehen.

Musikalisch gesehen? Der Biker Day?! Sind da nicht mit Sicherheit nur Country-Musiker in Cowboystiefeln auf den Bühnen zu sehen, die von der großen Freiheit und Weite des Mittleren Westens singen? Doch! Genau! Und gerade das ist es, was zumindest im Fall der dort auftretenden Band „Modern Earl“ ordentlich interessant werden könnte.

Die vier Mitglieder der Band, die sich groß „Love, Peace and Chicken Grease“ auf die Fahnen schreibt, kommen aus wilden und aufregenden Ecken der Welt, wie New York, Tennessee und Leipzig, haben sich aber in Berlin häuslich niedergelassen, was Grund genug ist, ihnen an dieser Stelle ein wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Denn ein Konzert von „Modern Earl“ ist eine wohltuende Erinnerung daran, wie viel Spaß es machen kann, sich Live-Musik zu Gemüte zu führen, die sich selbst nicht immer zu hundert Prozent ernst nimmt.

Mit Cowboyhüten und oben bereits erwähnten –stiefeln, Halstüchern und Lederwesten, Banjo, Pedal Steel Guitar, Mundharmonika machen sie Songs über Waffen, tote Lieben, Alkohol und ewige Freundschaft, und ab und zu streuen sie Coverversionen vom Typ „Sweet Home Alabama“ ein, oder eine Country-Up-Tempo-Version von „Swing Low, Sweet Chariot“. All das hat ebensoviel Ironie wie Herzblut, wird dargereicht von brillanten Musikern, und wer vom Land kommt, fühlt sich an die besten Momente seiner Dorfjugend erinnert, wenn die größeren Jungs mit den Motorrädern ihren Kassettenrekorder auf die Straße gestellt und Bier verschenkt haben. Schon damals hat man eigentlich geahnt, dass es außerhalb dieses Rock’n’Roll-Idylls noch andere Dinge geben muss, aber man hatte trotzdem Spaß. Und genau diesen Spaß kann man auch hier wieder haben, wenn der Gitarrist seine Gitarre auf den Rücken dreht und dort weiterspielt, die Musiker meterhoch über die Bühne hüpfen, und der Sänger mit einer Stimme, die nach viel viel Whisky klingt, die endlosen Weiten der Prärie heraufbeschwört. Das alles ist so schön pathetisch und setzt einem gleichzeitig Feuer unter die Füße, sodass man weder aus dem Lachen, noch aus dem Tanzen herauskommt. Und auch wenn man sich das höchstwahrscheinlich sehr gute neue Album „Devil’s Playhouse“ am Ende doch nicht kaufen will, hat man auf jeden Fall das Gefühl, dass man einen Abend erlebt hat, der sich auf angenehme und erstaunliche Weise von dem abhebt, was man sonst so macht, sieht und hört.

Übrigens, der Biker Day des Deutsch-Amerikanischen Volksfests findet am 28. Juli statt.. und allen, die trotz allem nicht so richtig glauben, dort gut aufgehoben zu sein, sei versichert, dass Modern Earl sehr sehr viel unterwegs sind und man sie sich immer wieder ansehen kann, vorzugsweise in Läden, die klingende Namen wie „Lousiana Ball“, „Wild Horses Saloon“ oder „Bassy Cowboy Club“ haben. Immer ein guter Anlass also, neben neuer Musik auch ein Stückchen einer anderen Welt zu entdecken.

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4 Kommentare zu “MODERN EARL // Anhören und hingehen !”

  1. Flammenküchle

    Ach, diese verrückten Türken! äääh.. Amerikaner!
    Schöner Artikel, danke für den Tipp. Gefällt mir!

    #286
  2. deadbeforesunshine

    Wäre eigentlich nicht auf die idee gekommen auf das deutsch-amerikanische volksfest zu gehen. aber jetzt.. werd ich wohl da sein!

    #287
  3. Lizzy

    So geil. geile musik! Tanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanztanzetc.
    Wir sehen uns da!

    #288
  4. nancy

    geil, na da wär ich echt mal nicht draufgekommen da hinzugehen. danke für den geilen tipp!!!

    #289

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