Flowerpower auf Beton – Tempelhof goes Woodstock

Samstag, März 7, 2009
Von phlo

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,,40 Jahre Woodstock”- das mag viele Herzen ob sehnsuchtsvoller Erinnerung oder verklärender Projizierung höher schlagen lassen, anderen wiederum ein entnervtes Augenverdrehen abtrotzen, als gälte es den 150. Geburtstag der Schwarzwälder Kirschtorte zu feiern. Nun ja, in jedem Falle verwunderlich erscheint es, warum im kommenden August ausgerechnet Berlin neben New York als Schauplatz eines Jubiläumsfestivals im sechsstelligen Zuschauerbereich eingeplant ist.

Wie die Morgenpost bereits im Februar verlautbaren ließ, sei für Ende August “09 in Berlin ein ,,Mega-Jubiläumskonzert” anlässlich des 40. Geburtstages von Woodstock geplant. Man rechne mit 200.000 bis 300.000 Zuschauern, das Line-Up solle dem des Originalfestivals so gut als möglich entsprechen (Authentizität!), und als Schauplatz habe man das Gelände des kürzlich stillgelegten Flughafen Tempelhof (Bittere Enttäuschung bei O2 und den Spätkaufbetreibern rund um den Görlitzer Park!) auserkoren, so weit die Veranstalter.

Jaja, Tempelhof, vielen noch bekannt aus Filmen online casino wie Die Hindenburg- ein Zeppelin geht seinen Weg oder Indiana Jones 3. Eine riesige Betonfläche samt Hangar als Bühne des mit Begriffen wie ,,Flowerpower” und ,,Hippiebewegung” so untrennbar verbundenen Musikfestivals. Woodstock, die Legende, das vermeintliche Dreitageparadies aus Liebe, Musik und Schlammschlacht.

Und hier liegt schon das erste Problem: Auf der Luftfahrttechnik geweihtem Untergrund ist mit Schlamm nicht zu spaßen! Weil es ihn hier gar nicht gibt. Zudem hat das von notorischer Trockenheit geprägte Berliner Kontinentalklima nur wenig mit dem des an der Nordamerikanischen Ostküste gelegenen Originalschauplatzes gemein, so dass der Authentizität ein erster Abbruch getan sein dürfte.

Überhaupt: Wieso Berlin? Wieso Woodstock in Berlin? Gut, die Einstürzenden Neubauten, die Berliner Mauer, das SO 36, Elektronische Musik auch: das sind/waren natürlich alles wesentliche Ikonen der Hippiebewegung, aber dennoch. Hat die Stadt Angst, im Kampf um den Titel ,,Disneyworld der Europäischen Kulturlandschaft” an Boden zu verlieren? Will man jener Umfrage der Zitty entgegen wirken, aus der die so genannten ,,Porno-Hippie-Schwaben” als unbeliebteste Berliner Bevölkerungsgruppe hervorgehen?
Man weiß es nicht.
Doch so sehr es kein endgültiges Argument gegen eine kitschkulturelle Großveranstaltung wie ,,Woodstock “09” in Berlin zu geben scheint, so befremdend wirkt die Monströsität, mit der das Konzert bar jeden Augenzwinkerns angekündigt wird.

Insofern passen Veranstaltung und Schauplatz ganz gut zusammen; für beides gilt: Die Idee ist gut, doch die Welt nicht mehr bereit.