5 : 1 persönliche Entschuldigungen

Samstag, Januar 24, 2009
Von tobi

Franz Ferdinand Tonight CoverFranz Ferdinand – Tonight

Entschuldigung Franz Ferdinand!
Die Erinnerungen an Euer letztes Album „You could have it so much better“ waren es, die mich nur recht zögerlich zum Nachfolger „Tonight“ greifen ließen. Denn die Frage, ob Ihr im Keller Eures neuen Glasgow-Townhall-Headquarters inkl. Dub-Produzenten mehr zustande bringt als diesen ziemlich seichten Abklatsch vergangener, erfolgreicher Zeiten, hat mich schon einige Zeit beschäftigt. Unnötigerweise muss ich jetzt zugeben. Ihr schafft wieder diese bewunderswerte Mischung aus Gitarrenpop, Diskobeats und gefälligen Melodien auf die sich alles zwischen 16 und 47 einigen kann, egal ob Dschungelcampfan oder Spex-Leser (was nicht ausschließen soll, dass es beides auch in einer Person gibt). Ich hab wieder ein Album zum Zähneputzen, Kochen und Ikea-Schränke aufbauen, wahlweise kann ich dazu auch Tanzen oder mit meiner Freundin knutschen. Tolle Sache! Mit Dank und Gruß!


Morrissey - Years of Refusal CoverMorrissey – Years of Refusal

Entschuldigung Herr Morrissey!
Als ich von den Mariachi Bläsern auf Ihrem neuen Album „Years of Refusal“ hörte, davon dass Ihre Musik „rockiger“ geworden sei, mit vielen „starken“ Songs, empfand ich zunächst eine Art „Moment of Refusal“. Für diesen Vertrauensbruch wurde ich beim Hören allerdings bitter bestraft, daher bitte ich Sie, mir denselben nachzusehen. Was für mich den Ausschlag gab? Es war eben das Element Ihrer Musik für das sie die meisten Menschen mindestens ebenso verehren wie hassen: Ihre Stimme. Egal wie viel Bläser da noch kommen mögen, wie laut die Gitarren und Trommeln noch werden, ob der Song eigentlich schlecht und der Text denkwürdig ist: Mit dieser Stimme kann nichts schief gehen. Auf viele weitere Jahre!


Secret Machines CoverSecret Machines – Secret Machines

Entschuldigung Secret Machines!
Aber diesen Winter kommen wir nicht mehr zusammen. So sehr ich Eure Sound-Wände aus Gitarren, Synthesizern, und Krach schätze, so sehr ich Eure innovativen, intelligenten und in dieser Form ganz und gar nicht plagiatorischen Referenzen an Pink Floyd mag: Es ist der falsche Zeitpunkt! Denn eure neue, nach Euch selbst betitelte Platte bringt genau das zum Ausdruck, gegen das sich mein eigener Körper jahreszeitbedingt heftigst zur Wehr setzt: düstere, einsame und kalte Leere. Grundsätzlich erlaubt und geschätzt, aber nicht jetzt. Auf ein andermal!



deerhoof offend maggie cover

animal collective merriweather cover









Deerhoof
– Offend Maggie

Animal Collective – Merriweather Post Pavilion

Entschuldigung Deerhoof! Entschuldigung Animal Collective!
Zunächst einmal dafür, dass ich Euch in einer Entschuldigung zusammenfassen muss, so was macht man nicht, aber es bietet sich nun mal so an. Des weiteren dafür, dass ich wenig Lust verspühre, in Eure affektierte Unverständlichkeit einzutauchen. Ihr wollt nicht verstanden werden, die Titel Eurer Alben sind in dieser Hinsicht ausnahmsweise recht konkret. Was mich wiederum auf die Idee bringt, dass es vielleicht bei Euch beiden gar nicht besonders viel zu verstehen gibt. Dass es im Gegenteil sogar höchst gefährlich ist, „Offend Maggie“ 35mal und „Merriweather Post Pavilion“ 130mal zu hören und sich die Mühe zu machen, die schief-schönen Gesangsäuseleien und die chaotischen Beats gedanklich zu durchdringen. Denn ab diesem Zeitpunkt würden aus zwei meist sehr hörenswerten Platten relativ gewöhnliche Popmusik-Episoden, denen der äußerst trickreich verpasste Schleier herabgerissen wurde. Mit besten Grüßen!


hank williams 40 greatest hits cover
Hank Williams – 40 Greatest Hits

Entschuldigung Hank Williams!
Kurz vorher hatte ich noch daran gedacht und ihn dann doch vergessen. Deinen 56. Todestag. Aber, ganz ehrlich: Neujahr ist auch kein guter Tag zum Sterben. Und schon gar nicht, weil man vorher zu heftig gefeiert hat. Sei’s drum. Drei Wochen zu spät laufen Dir zu Ehren Deine besten Songs auf Dauerrotation und ich bin sprachlos. Hab ich doch das gefunden, was sämtliche Neuerscheinungen mir nicht bieten konnten: den Soundtrack für den erfahrungsgemäß kompliziertesten Monat im Jahr. Dazu braucht es nicht viel mehr als eine Gitarre, eine Stimme und Textzeilen wie


I’m a rolling stone, all alone and lost,/
For a life of sin, I have paid the cost./
When I pass by, all the people say/
Just another guy on the lost highway.„/

Mit Hochachtung!

PS: Wer war eigentlich Johnny Cash?

8 Kommentare zu “5 : 1 persönliche Entschuldigungen”

  1. Anne

    entschuldigung, Tobi, aber das ist mal wieder ein ganz famoser Artikel!

    #159
  2. Anonymius

    „egal ob Dschungelcampfan oder Spex-Leser (was nicht ausschließen soll, dass es nicht beides in einer Person auch gibt)“

    Ich habe ja die starke Vermutung der Autor spricht hier von sich selbst. Oder?

    #160
  3. Südkaper

    ich hab ja gehört das Hank Williams Hoden 1000kg wiegen….

    #161
  4. Beachboy

    Ich find ja das Animal Collective Cover ziemlich geil. In so klein entfaltet das natürlich seine Wirkung nicht so ganz, dewegen bitte mal hier klicken: http://farm4.static.flickr.com/3270

    #162
  5. Yo, genauso ist es. Und Hank ist tatsächlich der Größte mit den größten Eiern, nicht nur im Januar, auch sonst, wozu eigentlich noch „neue“ Musik hören, wenn man Hank Williams, Johnny Cash, Woody Guthrie, Bob Dylan, Leadbelly, Robert Johnson usw. hat.
    Ich glaube, ich höre auch auf, selber Musik zu machen. Es hat doch alles keinen Sinn…

    #163
  6. Adam Apfel

    Oh da hat jemand aber einen exquisiten Musikgeschmack! Leadbelly! Ganz große Klasse!

    #164
  7. Franzi

    Franzi Ferdinand sind großartig, wobei ich die letzten Alben auch ziemlich geil fand. Super Musik zum Tanzen.

    #165
  8. The mighty Duck

    Ich find „Franzi“ Ferdinand ja ziemlich langweilig. Indie Rock eben, hört sich alles irgenwie gleich an.
    Nichtsdestotrotz bin ich ja ein netter Typ und deswegen verkünde ich hier dass Franz Ferdinand ab sofort auf ihrer MySpace-Seite das ganze Album TONIGHT: FRANZ FERDINAND als kostenlosen Stream anbieten.
    Tja so bin ich.
    Nichts zu danken.

    #166

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