Review: Cherry Poppin’ Daddies am 1.12.08 im Wild at Heart

Samstag, Dezember 6, 2008
Von tobi

cpd1 Mit Bands, die nach längerer Zeit plötzlich wieder aus der Versenkung auftauchen, ist das so eine Sache. Schließlich gibt es in den meisten Fällen ganz gute Gründe, weshalb man von manchen Musikern irgendwann nicht mehr viel hört oder hören will: Dann zum Beispiel, wenn das Gefühl aufkommt, dass neue Alben nicht unbedingt besser werden. Oder wenn aus der alten Lieblingsband eine Gruppe langweiliger und wenig spannender Leute geworden ist, die ständig darum bemüht ist, alten, erfolgreicheren Zeiten hinterherzulaufen. Dass solche Bands dann doch immer noch weitermachen und vor einem ständig schrumpfenden Grüppchen treuer Fans auftreten, hat in solchen Fällen meist weniger mit künstlerischem Sendungsbewusstsein und mehr mit materiellen Zwängen zu tun.

Bei der Show der Cherry Poppin” Daddies im Wild at Heart durfte man zu Recht ein wenig Angst haben, diesem Phänomen mal wieder zu begegnen. Hatte die Band ihren Höhepunkt doch in den 90er Jahren, als sie (spätestens 1997 mit Zoot Zoot Riot) eine musikalisch nicht unbedingt innovative, aber extrem tanzbare und schweißtreibende Phase mit-begründete, die damals als Neo-Swing bezeichnet wurde.

Der darauf folgende Versuch, an diesen Erfolg anzuknüpfen, ohne sich auf leicht casino modernisierte Swing-Musik zu beschränken, ist dann gescheitert. Die neu gewonnenen Fans waren nicht bereit, die Rückkehr der Band zu den eigenen musikalischen Wurzeln Ska, Funk und (Hard)Rock auf “Soul Caddy” 2000 mitzutragen und um die Cherry Poppin” Daddies wurde es für längere Zeit relativ still.

Dass diese sich nach einiger Zeit dennoch wieder zusammenfanden, um ein neues Album einzuspielen, ist daher durchaus bemerkenswert, der musikalische Inhalt der neuen Stücke dagegen ist es weniger. Diesesmal war es Latin- beziehungsweise Reggae Musik, die man versuchte ins eigenen Schaffen zu integrieren, herausgekommen ist ein relativ fades und seichtes Stück Musik (Susquehanna) , das nicht gerade Türen öffnet, die von Labels schon gar nicht.

Allzu viele Menschen, die den Weg für nicht gerade günstige 15 Euro ins Wild at Heart fanden, konnten dieses Album jedenfalls noch nicht gehört haben, denn das Konzert war praktisch ausverkauft. Blieb also die große Frage des Abends: Was machen die Cherry Poppin” Daddies aus diesem Vertrauensbeweis?

Oft wäre diese Antwort darauf eine ziemlich traurige, in diesem Fall ist sie jedoch eine gute: Sie spielten (beinahe) exakt das gleiche Konzert, das sie vor 10 Jahren auch schon gespielt hatten. Im Klartext: Fast alle Stücke der Hit-Kompilation aus den guten alten Swingtagen – praktisch nichts Neues aus der Zeit seitdem.

Das kann man nun natürlich höchst unterschiedlich einschätzen: Man kann sich auf die Seite des Publikums stellen, begeistert von den schnellen und eingängigen Songs sein und einfach nur Tanzen, Schreien und Schwitzen. Man kann auch der Band zustimmen, die – hätten sie aktuellere Songs gespielt – wahrscheinlich so bald keine Tour mehr durch Europa bekomen hätten und (wie so viele) einfach die Spätfolgen einer ziemlich guten Zeit mitnehmen, so lange es eben noch geht. Man kann sich auch etwas gelangweilt irgendwo an die ziemlich lange Bar im Wild at Heart setzen und darüber nachdenken, weshalb Uriah Heep bis heute “Lady in Black” spielen (müssen). (Antwort: Weil sie nicht besseres haben.)

Man kann auch einfach aufhören über all das nachzudenken und ständig rumzunörgeln, sich zwischen die tanzenden Leute drängeln und einen ziemlich fantastischen Konzert Abend haben. Denn: Das Publikum hat dann am Ende doch immer recht.

cpd4

3 Kommentare zu “Review: Cherry Poppin’ Daddies am 1.12.08 im Wild at Heart”

  1. Marjorie

    Ehrlich gesagt… ich hätte gar nichts gegen die neuen Lieder gehabt!
    Trotzdem, macht Spaß über ein Konzert zu lesen auf dem man selbst war;-)

    #112
  2. dushbag

    Oh, schade, das hört sich ja dann doch nach ‘nem guten Konzert an. Ich war von den neuen Sachen so enttäuscht, dass ch mich letzendlich dafür entschieden hab, nicht hinzugehen…
    Manno. Na ja ich werd mal gucken, wann die wieder in Berlin spielen, dann geh ich auf jeden Fall hin. Wenn’s nicht auch 15€ kostet.

    #113
  3. lashlevari

    @dushbag:die große Europatour kommt ja bald..
    ich geh wieder hin

    #114

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