Calexico-Konzert in der Columbiahalle // Review

Montag, Oktober 13, 2008
Von mag

CalexicoWenn ich auf ein Konzert gehe, will ich mitten in der Musik sein, in sie eintauchen, wie in einen tiefen See, ich will von ihr überschwemmt und mitgerissen werden, ich will in ihr schwimmen und ertrinken.
Beim Calexico-Konzert in der Columbiahalle vergangenen Donnerstag gab es kein Kopfhörer-Gefühl. Die Musik fand auf der Bühne statt und nicht im Publikum. Es kommt sehr selten vor, dass ich das sage, aber: Es war eindeutig zu leise. Man musste sich nach vorne drängen, um den Sound in halbwegs normaler Konzert-Lautstärke zu hören und so sollte es eigentlich nicht sein. Allerdings muss man sagen, dass es auch in den ersten Reihen nicht zu eng wurde und auch nicht allzu wild getanzt wurde, was man sicher Calexicos sanften, melancholischen Wüstenklängen zuschreiben kann. Außerdem waren wahrscheinlich viele Leute schon brav um 18:00 zur auf den Tickets angegebenen Einlasszeit erscheinen, der Hauptact fing aber erst um 22:00 an, also nach 4-stündiger Wartezeit. Da sind die Beine schon müde. Vor allem die Beine von älteren Menschen. Und der Alterndurchschnitt war tatsächlich sehr hoch, vielleicht hatte man deshalb die Lautstärke runtergedreht.

Mal abgesehen davon und von den horrenden Bierpreisen (4€) war das Konzert an sich aber großartig. Als Vorband traten Marko Markovic und sein 11-köpfiges Boban i Marko Markovic Orkestar auf, schafften es aber leider trotz ihrer sehr tanzbaren, stampfenden Gypsy-Beats, die sie mit modernen Jazz-Elementen mischen, nicht wirklich das Publikum für sich zu gewinnen. Das spricht aber eher gegen die Konzertbesucher, die schon die erste Künstlerin der Abends Rose Kemp zum Teil mit ungeduldigen Buhrufen bedacht hatten.
Und dann schließlich der Auftritt von Calexico, die eine gut durchdachte Setlist spielten, bei der sie casino online alte Hits mit Stücken aus dem neuen Album “Carried to Dust” mischten und alle Instrumental-Songs wegließen. An eine strukturierte Leinwand hinter der Band wurden Bilder projeziert, Highwayfahrten, Lastwägen, Kakteen, Schwäne und Wellen, die die Musik perfekt begleiteten. Die kürzlich erschienene Platte ist an manchen Stellen (Two Silver Trees) ein bisschen langweilig-poppig wie die letzten zwei Alben, aber eigentlich kehren Calexico zu ihrem alten, staubigen Wüstensound zurück (Slowness, Bend To The Road). Das ist zwar nicht gerade innovativ, aber dafür sehr schön.
In der Zugabe schließlich vereinten sich Calexico und das Boban I Marko Markovic auf der Bühne und zeigten, dass Balkan und Südamerika tatsächlich ganz gut zusammenpassen. Und beim Finalsong, einer wahrscheinlich 15-minütigen Version von “Crystal Frontier”, bei der alle 20 Musiker spielend durch das Publikum zogen, konnten sie schließlich sogar die wegen der Wartezeit beleidigten Berliner für sich gewinnen.

“Carried to Dust”, kann man sich an dieser Stelle komplett anhören.

Natürlich gab es wie immer Leute, die lieber filmen als tanzen. Seltsam, aber gut für uns. Hier ein kleiner Eindruck vom Konzert:


CALEXICO- Columbiahalle Berlin

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2 Kommentare zu “Calexico-Konzert in der Columbiahalle // Review”

  1. bold

    hallo, war auch auf dem calexico konzert. ich habe nicht viel hinzu zufügen, außer das sich der hohe altersdurchschnitt wohl auf das 20- jährige jubiläum einer konzertagentur namens berthold seliger bezieht. dort arbeiten voraussichtlich nicht nur mit-20er. aber das ist wohl eher eine information, die niemanden interessiert. Ich betrinke mich jedenfalls in zukunft vor der columbiahalle. das ist meine persönliche revolution gegen zu hohe getränkepreise, welche nicht stimmig, zu dort gespielter musik stehen.

    #74
  2. owenmeany

    Ich fand die letzten zwei Alben vor Carried to Dust gar nicht so schlecht. Klar ein bisschen massentauglicher, aber das schadet ja ncht unbedingt.

    #75

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