Die Sterne // Bands aus Deutschland (Teil 1)

Mittwoch, Oktober 1, 2008
Von tobi

In unregelmäßigen Abständen werden wir in Zukunft für unsere französischen Zyva-Kollegen einige Bands aus der deutschen Musiklandschaft vorstellen. Den Anfang machen die Sterne aus Hamburg.
Im Gegenzug gibt es hier natürlich auch bald etwas über spannende Musik aus Frankreich zu lesen.

die-sterneEr hat immer Hunger / er muß immer essen / Er muss wohnen und schlafen / und vergessen / dass Gestern wie Heute wird / Heute wie Morgen / und dass in diesem Laden herzlich wenig passiert / er drängelt sich in Bahnen und schubst sich aus dem Haus / in die Gegend wo man ihn erwartet / und verbraucht / er kennt sich schon lange und kann sich nicht mehr sehen / dabei gibt es wirklich tausend schöne Filme über ihn / als den Universal Tellerwäscher (Die Sterne: Universal Tellerwäscher)

Wir beginnen ganz oben. Wir beginnen in Hamburg.
Wir beginnen mit „Die Sterne“.

Gute Musik gibts meistens, wenn“s schlecht läuft. 1992 stand es mit der Stimmung in Deutschland nicht gerade zum Besten. Der Westen hatte entdeckt, dass die Wiedervereinigung nicht ganz billig werden würde, dem Osten fiel auf, dass der Sozialismus gar nicht so schlecht war. Bundeskanzler Helmut Kohl feierte gerade sein 10-jähriges Amtsjubiläum und genauso behäbig und trist fühlte sich zu dieser Zeit das Leben auch an. Und so war es sicher kein Zufall, dass sich in dieser Zeit in Hamburg – der damaligen Musikmetropole – drei sehr einflussreiche Bands gründeten: Tocotronic, Blumfeld und Die Sterne, die später unter dem Begriff „Hamburger Schule“ zusammengefasst wurden. Der Texte waren deutsch, die Musik in dieser Form neu und der Anspruch politisch, aber nicht revolutionär. Alle drei Bands kamen irgendwie aus dem Punk, waren jedoch nicht mehr bereit, das eigene Leben unter irgendwelche Parolen zu stellen, wie es wenige Jahre zuvor in der deutschen Gitarrenpunkszene noch relativ üblich war (Ton Steine Scherben, Fehlfarben).

Am konsequentesten verfolgten diesen Ansatz sicherlich die Sterne. Sowohl textlich wie auch musikalisch waren sie stets die „Untouchables“ und es war nicht immer leicht zu sagen, woher diese Musik kommt und was diese Texte wollen. Kein Rock, kein Indie-Pop, kein Punk, kein Soul, sondern – wie bei den meisten guten Bands – irgendwo dazwischen. Die Texte ohne Parolen, aber doch subversiv, kritisch und – das war der Unterschied zu den meisten deutschen Punk Bands aus den 80ern – dgfev online casino persönlich. Politik und Emotionen, zuvor noch strikt getrennt in Underground und Mainstream, wuchsen in den Texten der Sternen zusammen.

Die beiden Videos Universal Tellerwäscher und Big in Berlin geben einen kleinen Eindruck vom Stil der Sterne. Universal Tellerwäscher ist ein relativ früher Song, das Video extrem low-budget. Der Sänger Frank Spilker hat hier noch seine charakteristische Zahnlücke, die ihn – zusammen mit seinem hühnenhaften Körperbau – lange Zeit zum „Beißer“ (James Bond) des deutschen Indierock machte.
Big in Berlin ist von 1999 und man kann sich immer noch fragen, ob der Song als Homage oder Persiflage auf das „hippe“ und „coole“ Berlin gemeint ist, auf die Stadt, in die alle wollen. Das Bild des Großstadtcowboys im goldenen Lampenanzug jedenfalls ist bis heute legendär.

Mittlerweile sind 8 Alben von den Sternen erschienen, dennoch ist die Band in Deutschland nie richtig groß geworden. Man erzählt sich, dass die Musiker gerade so von ihrer Musik leben können, was angesichts der Qualität ihres Schaffens schon ein wenig traurig ist. Andererseits kann man kaum ernsthaft Texte über den täglichen Überlebenskampf des Menschen in einer durch und durch organisierten und kapitalisierten Welt schreiben, wenn man selbst am Swimmingpool sitzt. Gute Musik braucht eben schlechte Zeiten.

Lisez l“article en français sur www.zyvamusic.com!

Die Sterne für Anfänger: „Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die interessanten“ (1997)

Die Sterne für Fortgeschrittene: „Irres Licht“ (2002)

Homepage
Myspace

Videos:


Die Sterne – Universal Tellerwäscher


Sterne – Big in Berlin

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3 Kommentare zu “Die Sterne // Bands aus Deutschland (Teil 1)”

  1. hiphophoody

    puuuh, eigentlich hör ich so auf deutsch gesungenes rock zeug gar nicht, aber der artikel is echt geil, da werd ich mich wohl doch mal reinhören..

    #59
  2. Chris

    Wirklich toller Artikel, super geschrieben.

    #60
  3. Anne

    Der Beißer… hihi, lustiger Vergleich, stimmt aber voll.

    #61

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