Kinderzimmer Productions // Interview

Freitag, Juni 15, 2007
Von mag

kz2 Wir treffen Textor und Quasimodo von Kinderzimmer Productions anlässlich der Record Release Party zu ihrem neuen Album Asphalt im Biergarten vom Cassiopeia in Berlin. Zyva: Danke erstmal, dass wir euch treffen durften! Wir haben ja auch eine französische Leserschaft und ich weiss nicht, wie bekannt ihr in Frankreich seid. Textor: (Lachen) Wahrscheinlich nicht besonders…

Zyva: Also vielleicht könnt ihr euch dann einfach mal vorstellen und eure Musik ein bisschen beschreiben.

Textor: Ok, also wir sind Kinderzimmer Productions, uns gibt es mit dem Namen seit 1994, da kam die erste Platte raus. Zusammen Musik machen tun wir schon wesentlich länger. So seit 1989, in etwa, ’90, um den Dreh. Wir sind damals ziemlich stark geprägt worden von dem Beginn, von dem was wir New School nennen, also 88, das waren Run DMC, Eric B & Rakim, KRS One, die ersten Platten, was ja mittlerweile als Oldschool durchgeht, aber wir grenzen das immer ab von diesem Grandmaster Flash/Breakdance-Oldschool. An der Grenze steigen wir ein und haben uns dann eigentlich die gesamte Zeit auch beteiligt an der Entwicklung des Rap hier in Deutschland und sind quasi erste Generation.

Und unsere Arbeitsweise und unser Sound hat sich eigentlich von der gleichen Basis aus entwickelt – wenn man das mal New York-Rap oder amerikanische Eastcoast nennen will, Samples-orientiert, eher rau, eher komplex. Hat wenig zu tun mit Synthesizer-Sound oder 808-Kram oder Westcoast oder wie auch immer man das nennen will. Wir sind eher so Schleifpapier-Kameraden. (Lachen)

Zyva: Du hast gerade schon erwähnt, dass ihr ja auch zu den Ersten gehört die in Deutschland Rap gemacht haben. Hattet ihr eigentlich Kontakt zu anderen Rappern wie Torch, der ja immer als erster deutscher Rapper bezeichnet wird?

Textor: Neee, Torch ist eine, knapp eine Generation vor uns. Das haben wir irgendwann ducrh das Beat-Magazin erfahren, dass es deutschsprachigen Rap überhaupt gibt…

Zyva: Ja, in eurer Biographie steht « Rap ohne Vorbilder »…

Textor u. Quasimodo: .. ja doch amerikanische Vorbilder schon.

Textor: Es gab keine deutschen Vorbilder. Wir waren in Deutschland alle in der Position, dass wir amerikanische Vorbilder hatten und quasi den Wettbewerb ausgerufen haben: Wer als erstes ’nen Track macht, der kann was…. Und das war auch ’ne nette Zeit, weil jeder um seine Schwächen wusste oder die Probleme und jeder auf ’ne andere Art und Weise damit umgegangen ist. Was wir nicht wussten, was erst später kam war, dass es ’ne sehr lebendige Szene um Heidelberg rum gab und auch um andere Orte, um die amerikanische GIs stationiert waren. Es gab wohl ne Jam-Szene, die die Breakdance-Welle mitgenommen hat und danach weiterexistiert hat. Da wussten wir aber nichts davon, da waren wir auch zu jung. Als wir ’87 anfingen HipHop zu hören, waren wir ja erst 13, das ist noch sehr jung. Und Torch haben wir nicht kennengelernt, oder?

Quasimodo: Nein.

Textor: Aber, die Generation, die dann kam, als die ’92, ’93 Platten zu machen wie die Beginner oder die Massiven Töne, die ganzen Kameraden, die haben wir alle getroffen und mit denen waren wir dann auch unterwegs.

Quasimodo: Die Krähen gab’s doch auch noch…

Textor: Ja, die Krähen. Und Freundeskreis. Wir haben aber den Kontakt zu den neuen berliner Entwicklungen nicht mehr so. Also was die Leute machen, die jetzt so 18, 19 sind, da sind wir jetzt nicht mehr beteiligt.

Zyva: Wo ihr jetzt von Kontakten zu anderen Rappern erzählt, wir haben den Eindruck, dass ihr trotzdem relativ wenig feature-Geschichten macht, oder zumindet weniger als Andere, die immer alles mit ihrer Posse machen…

kz2 Textor: Das war damals einfach noch nicht so üblich. Die Tradition des Featurens kam eigentlich erst… Na ja also ein paar Features haben wir ja gemacht, wo wir gesagt haben, wir haben ne Ulmer Posse, ein paar Ulmer um uns rum und die haben wir auch gefeaturet. Bei uns war der Gedanke schon so: « Wenn wir die Leute nicht kennen und nicht Zeit mit denen verbringen, dann können wir ja auch nichts drüber sagen. » Und diese Art zu featuren, zu sagen: « Hast du Zeit? Am wievielten? Ich schick dir das Instrumental. Wieviel Bares brauchst du? Was soll ich machen?“ Aus dem Zug steigen, ins Studio springen, das Ding aufnehmen und wieder verschwinden, ein paar adlips machen, nochmal kurz fürs Foto posieren und gut ist… Das war uns total fremd kam auch erst stark ’97, ’98.

Quasimodo: Ja, ich kann mich erinnern, ich hab damals Eindruck gekriegt, das es hieß : „Feature diesen, feature jenen!“, so dass man den Eindurck gewinnt, dass es für die einzelnen Künstler schon gar nicht mehr möglich ist ’ne komplett eigene Platte zu machen. Da ist man dann schon angewiesen auf fremde Inhalte. Den Eindruck hab ich damals gewonnen, fand ich nicht sooo gut.

Textor: Weil die Idee prinzipiell ja super ist, dieses Seine-Posse-Einbinden, auch eine größere Germeinschaft zu repräsentieren, find ich total super. Aber dann halt nur wenn man repräsentieren will. Und es wurde ja immer… kommerzieller wär falsch, aber businessbewusst. Es ging ja dann Richtung 2000 auch dahin, dass deutscher HipHop auch kommerziell Erfolg hatte. Und als das losging wurden sich die Leute bewusst, wie viel Geld sich damit auch verdienen lässt und wie sich mehr Geld verdienen lässt und da fingen dann andere Mechanismen an zu arbeiten.

Zyva:Um jetzt mal auf den aktuellen Anlass für das Interview zurückzukommen: Ihr seid ja wegen der Record Release Party da. Seid ihr schon gespannt wie das neue Album bei Publikum ankommt, oder fühlt ihr euch etabliert genung um zu wissen, dass das eh immer klappt?

Textor: Ne, also klar ist nix. Selbst wenn alles klar wäre, wäre wieder nix klar. (Lachen) Weil: das ist immer die erste Show. Wenn man ein Album fertig hat, dann fragt man sich was passiert. Da sind von dem her jetzt auch keine Erwartungen, wir wissen’s einfach nicht.

Quasimodo: Na ja, Erwartungen, ich hab schon die Erwartung, dass es gut läuft.

Textor: Ja schon…

Quasimodo: Ich hab aber auch kein schlechtes Gefühl dabei. (Lachen)

Textor: Clever, sehr clever.

Zyva: Du bist vor dem neuen Album nach Berlin gezogen, hat die räumliche Trennung eure Arbeitsweise, eure Musik beeinflusst?

Textor: Ja. Ja, doch. Wir haben die Arbeitsweise verändert.Wir kennen uns so lange, dass wir nicht drauf angewiesen sind uns zwangsläufig immer zu sehen, das war auch sowieso schon vorher so. Jeder von uns hatte mehr Zeit für sich alleine Sachen weiterzubringen, ohne dass jemand sagt: « Ne, ne, ne, wart mal, ich hab ’ne Idee! » Und wir haben uns dann die Sachen per Mail hin und her geschickt und das war sehr spannend zum Teil, weil man mit was ganz Anderem gerechnet hat. Wenn man zusammen am Rechner sitzt und weiss was passiert, dann kriegt man ja mit: Ah, ja ok, jetzt gehts da lang und steuert eventuell gegen oder geht auch in die gleiche Richtung. Und da ist es dann so, man sagt: Ok, ich hab die und die Idee, so stell ich mir das vor, hier ist der Text, hier ist die BPM-Zahl, hier ist vielleicht noch die Idee, wie ’ne Hi-Hat aussehen könnte oder was ich brauchen könnte, damit es wirklich tight wird und zwei Wochen später kriegt man das Ergebnis zurück.

Zyva: Geht dann nicht ein bisschen Spontaneität verloren?

kz2 Textor: Ja, eigentlich nicht. Zumahl wir auch.. ..wir arbeiten nicht so spontan. Wir arbeiten spontan in dem Sinne, dass wir sagen, wir machen was und wissen nicht wie’s passiert und drücken mal auf Start und gucken dann mal wie’s dann aufgenommen klingt. Aber das Ergebins wird dann sowieso geprüft, wieder und wieder und wieder und wieder. Und da bleibt dann eh nur das übrig was dem Schleifen auch standhält. Wenn man dann irgendwas 200 mal hört, wenn man sich ganz sicher ist mit was, dann kotzt es einen an… Ja, die Sachen wo man weiß: Ja, da ist es und das solls auch sein, die halten den Prozess auch durch… Wir arbeiten auch sehr langsam also das ist nicht so, dass wir sagen: Ok man hat die erste Skizze, man hat den Move, man geht drüber, man macht ein, zwei Breaks und dann ist es fertig, sondern bis so ein Track wirklich fertig ist dauert das meistens ein, zwei Wochen. Aber auch nicht konzentriert auf zwei Wochen, sondern man fängt an und legt was dazwischen, man macht was anderes. Und wenn man irgendwann am Ende des Albums ankommt, bis dahin hat man das Instrumental wahrscheinlich schon 2000 mal gehört.

Zyva: Wir hatten ja schon die Möglichkeit in das neue Album hineinzuhören, unser erster Eindruck war, dass es vielleicht ein bisschen relaxter und weicher ist als die Vorgängeralben….

Textor: Ja, das kann gut sein…

Quasimodo: Nee, das find ich nicht. (Lachen)

Textor: Also entspannter würd ich sagen, weicher nicht… Oder war es das, was du meintest?

Zyva: Ja, uns ist das vor allem an der Stimme aufgefallen. Aber vielleicht ist das auch die natürliche Veränderung der Stimme im Laufe der Zeit.

Textor: Ja, ne, also das war schon ’ne bewusste Entwicklung. Deswegen sag ich jetzt vielleicht auch ja und Quasimodo sagt tendenziell eher nein. Weil, eigentlich wollten wir ein Kontrastprogramm, wir haben gesagt, wir wollen es hart und geradlinig…

Quasimodo: Es ist eher so dass es jetzt wärmer klingt.

Textor: Meintest du die Stimmlage?

Zyva: Ja, genau.

Quasimodo: Bei den Beats würd ich sagen dass sie fast noch härter sind, als sie mal waren, aber klarer, eindeutiger.

Zyva : Das sollte jetzt die Beats nicht schmälern!

Quasi: Ne, so hab ich das auch nicht verstanden! Auch wegen des Titels – der ja Asphalt lautet – assoziert man ja auch eher Härte als einen weichen Sound.

Zyva: Was fanden wir übrigens auch ziemlich cool fanden: Auf dem Cover ist ein Rollschuh abgebildet, was an sich ein cooles Objekt ist, mit dem man auch bestimmte Sachen assoziiert, die auch ziemlich gut passen.

Textor : Wir haben lange überlegt, weil Asphalt im Lauf der Produktion schon zum Adjektiv wurde, das wir dann genommen haben, um uns zu fragen «Ist es asphalt, oder ist es es nicht? ». Also auch wenn wir andere Sachen gehört haben, oder neues Zeug – weil wir uns auch gefragt haben « was kickt uns denn, was wollen wir haben, wie soll es sein und was macht Hiphop wirklich aus? ». Für uns war’s schon dieses Ding, zu sagen, es ist public domain, d.h. man geht raus und macht es vielleicht auf dem Spielplatz, oder – es ist nicht gebunden an einen Ort, nicht gebunden an ein Klavier, nicht gebunden an Geigenstunden, nicht an « Jugend Musiziert », Wettbewerbe, oder sowas. Und es hat keine Vorgabe, es ist wirklich reine Freiheit und finden in einem der letzen wirklich öffentlichen Räume statt. Dort quasi dann zu sagen « Asphalt als Grundlage ». Und als wir das dann hatten – das ist nämlich auch Saschas (Quasimodos) Rollschuh, der auf dem Cover drauf ist. Wir waren früher auch sehr sehr viel skaten, ich noch mehr, als Quasi vielleicht .

Zyva : Mit skaten meinst du Rollschuh fahren?

Textor : Ja, für uns heißt es das. Also ich dann später auch Rampe gefahren, das hab ich auch ne Zeit lang gemacht, also ich bin viel mit Skateboardern rumgehangen. Uns fiel dann auf, dass wir das wahrscheinlich schon ‘ne Zeit im Kopf hatten, nur nicht so ausgesprochen und dann dachen wir: Ok, machen wirs auch dick aufs Cover, dann wird dieser Gedanke auch klar.

Zyva : Also macht ihr die Cover immer selber, oder habt ihr jemanden, der Euch hilft ?

Kinderzimmer Productions Zyva Interview Katrin Hauser macht die Cover für uns, normalerweise. Diesmal war’s ein bischen anders, weil die Illustration von diesem Rollschuh von einem guten Kumpel von mir stammt, der auch hier in Friedrichshain einen Laden um die Ecke hat – Pisa73 heißt der. Und der macht Stencil-Kram, also Schablonen-Zeug, das ist auch ne Schablone, also es gibt diese Ding auch als Schablone – es ist ziemlich monumental und sechs-lagig und ziemlich pervers. Wir haben die Illu davon genommen, die Katrin dann eingebaut hat. Wir sprechen schon immer darüber, was drauf soll – manchmal kommt sie mit Bildern um die Ecke und fragt, ob die was wären, ob wir uns das vorstellen könnten, wie ist das mit den Farben; schließlich stimmt man das so ab und sagt ja oder nein.

Zyva : Wir finden die Cover übrigens immer sehr gelungen.

Textor : Ich mag die auch sehr !

Zyva : Wär auch komisch, wenn Du was anderes sagen würdest !

(Lachen)

Textor : Naja, es gibt aber auch viele Bands, die sagen: « Es muss einfach irgendein Cover haben, so : wenn das jetzt grade flavor of the month ist, dann hab ich das halt an und seh so aus oder so – das ist mir nicht so wichtig“. Und es gibt so ein paar Leute, die dann eher sagen, das gehört zum Gesamtkonzept und bei uns gehörts schon zum Gesamtkonzept. Ich kenne Katrin Hauser jetzt auch sehr sehr lange, und dieses Ding, jetzt nicht auf HipHop-spezifische Bilder zu gehen, und sich auch selber nicht fett aufs Cover zu setzen.

Zyva : Das finden wir auch sehr schön und es macht die Sache interessant !

Textor : Das ist auch Programm.

Zyva : Wir haben schonmal eine Radiosendung auf FM4 gehört, wo ihr eine Stunde lang eure Lieblingsplatten aufgelegt habt, was großartig war ! Euer musikalischer Backgound jenseits des Hiphop kam da auch raus. Gebt doch mal eine Empfehlung ab, welche Jazz und Soul Platten ihr einem Laien ganz besonders ans Herz legen würdet !

Textor : Also mit Alben ist das eher schwer, weil Duke Ellington mit dabei sein muss, und der hat in dem Sinne keine Alben gemacht – es gab damals noch keine Alben Kultur. Wenn Du von ihm irgendwas hören willst, dann würde ich sagen, irgendwas zwischen 1940 und ‘45 aufgenommen wurde, das finde ich eigentlich die schönste Besetzung, weil da auch noch Jimmy Blanton mitspielt. Der ist eine Heroe, mit der man sich mal auseinandersetzen sollte. Dann was Neueres noch, was ich jetzt vorschlagen würde, aber da kann man auch nicht sagen komplette Alben… Es gibt komplette Alben, aber es sind dann doch immer einzelne Stücke die besondere Highlights sind… Auf jeden Fall, das ist wahrscheinlich schon ein bisschen bekannter: Bob James. Das ist ja Jazz, aber dann auch ein bisschen souliger, das pendelt hin- und her. Das würd ich mal vorschlagen, aber dann auch die Platten vor 80. So Anfang 70, das sind gute Sachen. Dann noch etwas bekannter: Die Average White Band, aber immer die frühen Sachen. Das ist immer so…. Kool & The Gang zum Beispiel, alles was nach 1980 kam, das ist meiner Meinung nach nicht so sehr interessant, in den 80er Jahren ist das in so ‘ne Richtung abgedriftet…

Zyva: Das ist ja bei vielen Sachen so in den 80er Jahren…

Textor: Ja die Elektronik hält Einzug und man spürt es: es fehlt Leben irgendwie in dem Ganzen…

Zyva: Ja, das stimmt die 80er Jahre wurden so ein bisschen kühler.

Textor: Also Jazz speziell noch was mir jetzt noch einfällt – wo wir jetzt noch so bei Break-Kram sind: die Meters.

Quasimodo: Funkmäßig ist das die erste Station.

Textor: Ich bin nicht so der Soultyp ich bin tatsächlich mehr der Funktyp.

Quasimodo: The Meters auf jeden Fall. Die ersten drei Alben sind hammer!

Kinderzimmer Productions Zyva Interview Textor: Genau.- Und was Jazz angeht, da muss was vokales dabei sein: Ella Fitzgerald – die Songbooks. Also wenn man sich ’nen Überblick verschaffen will, was die Standards sind und ‘ne Referenz haben will, wie man das macht und was das bedeutet, dann sind da eigentlich alle Songbooks gut, die sie aufgenommen hat. Also sowohl die Rodgers and Hart-Sachen als auch die Hammerstein, aber auch das Album mitbLouis Armstrong|en] Louis Armstrong.

Quasimodo: Aber Blossom Dearie auch nur so vereinzelt.

Textor: Neee! Blossom Dearie komplett durch! (Lachen) Aber die ist auch ein Sonderfall. Die ist für die Gesamtentwicklung vielleicht nicht so wichtig. Wenn man sich informieren will, was passiert ist und warum, ist das jetzt nicht so aussagekräftig. Aber sie ist für sich als Person und als Künstler mit das Größte, was ich kenne. Das ist auch ein Grenzbereich, weil sie wenig improvisiert, sondern eigentlich Jazz auskomponiert und eigentlich auch immer gleich klingt. Das ist auch erstaulich man kann Studioaufnahmen von ihr hören und dann Liveaufnahmen von ihr. Die macht das eigentlich immer gleich, das heißt das improvisatorische Element und wie sich Improvisation entwickelt hat, lässt sich an ihr jetzt nicht so gut zeigen. Aber sie als Person ist super.

Jan, der Manager von Kinderzimmer Productions kommt an unseren Tisch.

Textor: Müssen wir los?

Jan: Nein, nein, ich wollte mich nur unauffällig dazu setzen..

Zyva: Also sind das bei Blossom Dearie nicht nur musikalische Gründe?

Textor: Sie ist auch ’ne extreme Person, sie sieht aus wie ’ne….sie hat blonde Locken und ein ganz zierliches Stimmchen und ’ne Brille und sie sieht eigentlich mehr aus wie jemand, der Französisch unterrichtet (Lachen) und gar nicht wie ne Jazz-Sängerin. Sie hats aber faustdick hinter den Ohren und ist auch ein unglaublich guter Entertainer, also es gibt Liveplatten ich glaub eine heißt Live at Ronnie Scotts -ich bin aber nicht ganz sicher- da erzählt sie zwischendrin auch noch Witze und die sind auch zum Brüllen.

Zyva: Someone To Watch Over Me ist super, aber alles….

Quasimodo nickt.

Textor: Es tun sich viele Leute schwer mit ihr. Ich find sie durchweg eigentlich großartig. (Quasimodo schüttelt den Kopf) Auch das Gespür, das sie für Songs hatte. Ansonsten würd ich frühe Oscar Peterson-Sachen empfehlen das würd ich noch sagen und dann Thelonious Monk – Brilliant Corners.

Zyva: Ja, Thelonious Monk ist super! Heute Abend legt ja auch Thorsten von den Beatsteaks auf. Ihr mögt auch Gitarren?

Textor: Ich vor allem, Sasha hasst Gitarren.

Quasimodo: Laute vor allem. Aber ich hab ein paar Punk-Platten dabei.

Jan: Ja, die tauschen heute die Plattenkisten. (Lachen) Der Beatsteaks-Mensch muss dann mit Saschas Platten auflegen…

Quasimodo: Ich hab Polly Wog Stew von den Beastie Boys dabei. (Lachen)

Textor: Nein, also ich hab Anfang der 90er viel Gitarrenkram gehört.

Zyva: Sonic Youth sind auch eure Myspace Freunde.

Textor: Auf jeden Fall! Sonic Youth, No Means NoHüsker Dü

(Quasi verzieht das Gesicht, allgemeines Gelächter)

Quasimodo: Nein, also die Samples sind echt geil! (Lachen)

Zyva: Schön diplomatisch. Ihr habt auch gesagt ihr wisst nicht, ob ihr ewig weiter HipHop macht in welche Richtung könnte eure Musik denn gehen?

Kinderzimmer Productions Zyva InterviewTextor: Puh! Das müsste man dann sehn…Aber ich kann mir definitiv vorstellen andere Musik zu machen. Hab ich auch schon zum Teil. Möchte ich auch wieder gerne. Was mir am meisten Spaß machen würde, wäre, alle drei bis vier Jahre ne HipHop-Platte zu machen. Functionist hat mal gesagt -als wir in eben dieser Radiosendung waren-, weil er so erzählt hat, was er tut und macht und dass er hier und da auflegt und dann eben auch die Radiosendung macht. Er sagte dann irgendwann mal: « Alles was man ständig tut, braucht auch ständig ’nen neuen Zugang !». Da hab ich mir gedacht: “Ja, da hat er wirklich total Recht.” Ich würde es tatsächlich gerne so machen zwischendurch immer wieder was anderes tun, um HipHop auch immer wieder spannend zu finden. Aber was es dann sein würde… Ne Country-Platte hab ich schon mal gemacht. Mal sehen!

Zyva: Und wie geht’s dir da Quasimodo?

Quasi: Ich bin schon sehr hiphop-lastig was die Produktionen angeht. Unabhängig davon mach ich auch technische Dinge…

Zyva: Was machst du denn neben Kinderzimmer Productions?

Quasi: Was ich mit der Zeit und durch die Ausbildung die ich gemacht hab, gelernt hab, möchte ich gerne auch einfach nur weitergeben und nicht verantwortlich sein für musikalische Inhalte. Natürlich, wenn was kommt, was mir absolut nicht gefällt, mit dem ich wirklich nichts anfangen kann, das möchte ich auch nicht mischen oder mastern, da unterscheide ich schon. Aber im Endeffekt ist auch das ist für mich ’ne Herausforderung, solche Dinge zu machen ohne direkt verantwortlich für die musikalischen Inhalte zu sein. Das ist auch ’ne Art Last die einem von der Schulter fällt wenn man sagen kann: Jetzt geht’s wirklich um eine Sound-Ästhetik, die ich auch mit durch Kinderzimmer weiterverfolgt und überarbeitet hab und die möchte ich weitergeben. Das finde ich ’ne gute Herausforderung.

Zyva: Also du bastelst dann auch im Studio an der Musik anderer Leute?

Quasi: Nur am Sound, nicht an irgendwelchen Beats, das ist Kinderzimmer vorbehalten.

Zyva: Ihr habt ja auch euer eigenes Label und könnt frei entscheiden, was ihr macht.

Textor: Ja, das haben wir schon länger.

Zyva: Ja, aber ihr habt ja auch schon Major Label Erfahrungen gesammelt, wo man vielleicht weniger Entscheidungsfreiheit hat, oder?

Textor: Es läuft anders ab, aber wir haben ja unter der Bedingung gesignt, dass uns in die Musik nicht reingeredet wird. Wir sind relativ klar rein und haben gesagt: Wir haben Interesse, aber das und das müsste gegeben sein, sonst macht das keinen Sinn, sonst müssen wir etwas versuchen, das keinem von uns gut tut. Wenn jemand ein Label hat und da sind ständig Künstler, die sagen « Neee. Will ich nicht. Da sagt man lieber gleich, das und das machen wir nicht. Dann ist das auch einigermaßen klar. Da gab’s trotzdem noch Reibereien….

Kinderzimmer Productions Zyva Interview Quasi: Na ja…

Textor: … aber letztenendes hatten wir jetzt keine musikalischen Einschränkungen weder beim ersten noch beim zweiten Major Album. Und wir haben ja die ersten zwei Alben auf unserem eigenen Label gemacht, wir haben das Ding nur dann Kinderzimmer Recordings getauft, weil zum ersten Mal mit Miss Kenichi eine Nicht-Kinderzimmer Platte über dieses Label kommt und da wollten wir klar stellen, dass das nicht die Band ist. Deswegen wurde der Name jetzt nochmal in den Vordergrund gerückt, ob wir jetzt überhaupt nochmal was auflegen, von anderen Künstlern, das wissen wir jetzt noch gar nicht, das wird sich dann noch zeigen.

Zyva: Das ist ja auch ziemlich viel Arbeit….

Textor: Ja, schon. Wir hatten ursprünglich auch noch Unterstützung, wir wollte das eigentlich zu dritt machen, aber das hat so nicht geklappt. Jetzt haben wir wieder Unterstützung. Also jetzt sind wir wieder zu dritt, Jan sitzt ja auch hier. Der kam eigentlich auch aus ’ner anderen Ecke, nämlich für uns als Künstlermanagement und wir werden uns auch morgen darüber unterhalten was wir jetzt mit dem Label machen und was nicht. Weil wir nur so gesagt haben, ja das Label gibts, aber jetzt schauen wir mal, was es bringen wird.


Titel eines Songs, der euch oder eure Musik widerspiegelt :

Textor: Eric B. & Rakim: As the rhyme goes on

Quasimodo: Beastie Boys: Paul’s Boutique

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Ein Kommentar zu “Kinderzimmer Productions // Interview”

  1. Anne

    Das Interview ist so cool, habs grade erst entdeckt. Das ist wirklich scheiß-traurig, dass die sich aufgelöst haben….

    #2

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